Evangelische Kirchenmusik Aalen

Johanneskirche Aalen

 Die Orgel der Johanneskirche Aalen

 

Joseph Nicolaus Allgeyer, 1802, 14/I  

 

 

Das Buch zur Orgel >>>>

 

 

Die Evangelische Kirchengemeinde beherbergt in der Johanneskirche, dem ältesten Baudenkmal der Stadt, ein seltenes Kleinod.

Die Orgel der Johanneskirche (1802) ist die einzige historische Orgel des Evangelischen Kirchenbezirkes aus reichsstädtischer Zeit.

„Anno 1802 wurde zur Ehre und Preiß Gottes, von einem alhießigen Raths Glied gegenwärtige Orgel als ein Legat der Sanct Johanniskirch übergeben, auch ist zu gleicher Zeit dieße Kirche vergrößert worden, unter Anordnung und Aufsicht Herrn Johann Georg Kauffmann, Herrn Matthias Rieder als Kirchen und Heilige Pflegern.“

Diese Inschrift erinnert an die Stiftung des Instrumentes durch den damaligen Bürgermeister Christian Friedrich Fürgang. Der Kirchraum wurde an der Ostseite vergrößert. Der Orgelbauer wurde erst 2008 ermittelt:  
Joseph Nikolaus Allgeyer aus Wasseralfingen, Orgelmacher in vierter Generation einer Orgelbauerfamilie in Hofen und Wasseralfingen. 

 

 Disposition

 

Manual
Holtz Prinzipal
Viola da Gamba
Groß Gedeckt
Principal
Flöte
Flöte (gedeckt)
Quinte 
Flöte
Oktav
Mixtur
Cymbel

C-c³
8’
8’
8'
4’
4'
4'
3’
2’
2’
4-3fach
3fach

Pedal
Subbaß
Oktavbaß
Posaunenbaß
Baßmixtur 4fach

feste Pedalkoppel

C-c‘
16'
8’
8’
4'


Daten zu Kirche und Orgel

um 1200         
Entstehung der romanischen Wandmalereien. Erweiterungen und Umbauten der Johanneskirche ~ 1390, 1561, 1747 (Einbau der Emporen), 1802[1],

1802
Stiftung der Orgel, Erweiterung der Kirche

1829
Reparatur und Erweiterung nach einem Rechtsstreit mit dem Stifter

1857
Reparatur durch Link

1917   
wurden alle Metallpfeifen requiriert.

1922    
Eine „Bürgerinitiative“ um den Fabrikanten Heinrich Rieger lässt Kirche und Orgel instandsetzen. In der "Kostenberechnung über die Wiederinbetriebnahme der Orgel in der Friedhofskirche in Aalen“ durch Firma Link findet sich eine Aufzählung des noch vorhandenen Pfeifenwerkes
 
Gedackt 8’
Gedeckt 4’
Subbass 16’
Oktavbass 8’
Posaune 16’ (wird als „unbrauchbares“ Register entfernt)

Die Maßnahme wird für 8.840,- Mark an der Jahreswende durchgeführt. Prospektpfeifen werden ersetzt. Dabei erhält die Orgel eine neue weisse Farbfassung. Die Balganlage aus drei mehrfaltigen Keilbälgen wird neu beledert. Ein Zusatzangebot (7.550,- Mark) für ein neues Register „Gamba 8’“ wird 1923 realisiert.


1942        
Landeskonservator Dr. Walter Supper hat das Instrument am 28. August 1942 aufgenommen, um die von erneuter Materialablieferung bedrohte Orgel kurzerhand unter Denkmalschutz zu stellen.
 
Seine Notizen:
Orgel im Chor, Schleiflade, mechanische Traktur. Das Werk ist sehr verwahrlost, Register sind z.T. verändert, z.T. verschwunden, Spielschrank zur Orgel
                                           

 

Manual: c-c³       

 

Prinzipal 4’
Gamba 8’
Gedackt 8’
Flöte offen 4’
Flöte 8’   
Flöte ged. 4’
4-5 leere Schleifen

früher Ged. 4’
früher Mixtur 2’ 4fach
alt Aufschn. Erh.
früher Flöte 2’
alt
alt

Pedal: C-c’
Subbaß 16’
Oktavbaß 8’
2 leere Schleifen

 

1945        
Die Orgel bekommt eine elektrische Windversorgung und einen neuen Balg.

1947        
wurde die Orgel unter Federfüh­rung von Helmut Bornefeld (Dis­position und Mensuren) umgestal­tet. Obwohl nach dem Abtragen des schwarzen Anstriches alte Registerbe­zeichnungen zum Vorschein ka­men (s.u.), wurde ganz im Sinne Bornefelds disponiert. Die bisherige Dispositi­on wurde als „entstellt“ bezeichnet. Unter Verwendung des vor­han­denen Pfeifenmaterials bekam das Werk fol­gende Gestalt: (Einweihung Jubilate 1947).

Manual 
Gedeckt
Quintade
Prinzipal
Gedacktflöte
Hohlquinte
Oktave
Spitzquinte
Scharff 2-3fach
Zimbel doppelt


8’             
8’             
4’             
4’             
2 2/3’        
2’              
1 1/3’         
1’                                                
1/16’ 1/12’

Pedal
Subbaß
Oktavbaß
Rohrpommer
Baßmixtur 4fach


16’
8’
4’
4’

1952        
Die Johanneskirche wird renoviert.
 
1972        
Gutachten des Orgelsachverständigen Manfred Götz.
 
1974        
Neue Renovierung der Johanneskirche. Entfernung der Emporen, Fund der romanischen Fresken, Umgestaltung der Anlage, der Altar wird auf die West-Seite gestellt. Orgelpfleger Götz spricht 1972 von einer notdürftigen Reparatur 1947 und beschei­nigt dem Werk schwere tech­nische Mängel. Es bestand der Wunsch, die Orgel wieder mehr dem originalen Klangbild anzunähern. Unter den Re­gisterschildern finden Götz und KMD Tusch­hoff die derzeit klingende Disposition (s.o.), sie wird im Zuge einer Restaurierung realisiert.
Die originale Disposition wird erst 2010 im Inneren der Orgel gefunden.
Das Klangbild und die Intonationsmethode ist Kind der Orgelästhetik von 1974.
 
2008      
werden die originale Balganlage mit drei mehrfaltigen Keilbälgen samt Kanälen von 1802 und der Hauptbalg von 1945 wieder aufgefunden.

2010
Umfangreiche Bestandaufnahme des Instrumentes.
Mit den Inschriften auf den Schwertlagern lässt sich die originale Disposition rekonstruieren, die Pfeifen sollen 2014 nach historischen Vorbildern neu hergestellt  werden.

2014      
Restaurierung durch Kristian Wegscheider (Dresden)

31. Oktober: Wiedereinweihung
 
Die Orgel erklingt im Wochenschlussgottesdienst, im sonntäglichen Frühgottesdienst (Mai bis September) sowie bei Hochzeiten, Beerdigungen und anderen Kasualien.

 

 

print